Nester der Asiatischen Hornisse in Lustenau

24. Juni 2026

Eingeschleppte Art

In Lustenau sind österreichweit erstmals zwei Nester der Asiatischen Hornisse entdeckt worden. Die Tiere nisteten in einem Baucontainer, ein Mann wurde gestochen und ärztlich behandelt. Die Asiatische Hornisse breitet sich aggressiv aus und gefährdet möglicherweise heimische Insekten wie Bienen.

Über einen Sandboden fliegende Asiatische Hornisse.

In einem Baucontainer auf dem Gelände eines Transportunternehmens in Lustenau wurden Ende vergangener Woche zwei Insektennester entdeckt. Eines der Nester war noch sehr klein und leer, das andere war bewohnt. Das bewohnte Nest wurde inzwischen sachgerecht entfernt und die Tiere getötet, teilte das Land mit. Vermutlich waren die Tiere über ein Lüftungsloch eingedrungen.

Ein Mitarbeiter wurde gestochen

Als sich ein Mitarbeiter der Firma einem Nest näherte, wurde er sofort am Kopf gestochen. Weil er daraufhin über Kreislaufbeschwerden klagte, wurde der Notarzt gerufen und der Container verschlossen.

Hornissenart bestätigt

Im Anschluss wurde ein fachkundiger Imker gerufen, der ein zweites Nest entdeckte, in dem sich ebenfalls bereits Hornissennachwuchs befand. Es wurde fachgerecht sichergestellt und in einem Glas isoliert. Experten in Wien bestätigten die Vermutung des Imkers, dass es sich tatsächlich um Asiatische Hornissen (Vespa velutina) handelt.

Erster Nachweis von Nestern in Österreich

Österreichweit ist das der erste Nachweis eines Nestbaus durch diese eingeschleppte Insektenart. Ein einzelnes Exemplar der Hornisse war bereits am 9 April 2024 entdeckt und gefangen worden – in einem Zimmer der Universitätsklinik Salzburg. Dabei handelte es sich laut AGES um einen Einzelfund, vermutlich um eine Königin ohne etabliertes Nest. Umfangreiche Kontrollen ergaben damals keine weiteren Funde im Umfeld des Fundortes.

Ökologische Bedrohung

Die Asiatische Hornisse ist vor allem eine ökologische Bedrohung. Die Hauptgefahr geht von ihr für heimische Insekten aus: Sie ist eine invasive Art und ernährt sich räuberisch von Insekten, wobei Honigbienen bis zu 80 Prozent ihrer Beute ausmachen. Ganze Bienenvölker können dadurch ausgerottet werden, was schwere Schäden in der Imkerei und Landwirtschaft verursachen kann.

Für Menschen nicht giftiger als  heimischen Wespen oder Hornissen

Für den Menschen sind die Stiche der Asiatischen Hornisse nicht giftiger als die unserer heimischen Wespen oder Hornissen. Eine echte Gefahr besteht jedoch für Allergiker oder wenn man versehentlich einem Nest zu nahe kommt und die Hornissen das Nest in Masse verteidigen.

Schnelle Ausbreitung

In Europa trat die Asiatische Hornisse erstmals 2004 in Südfrankreich auf. Schon vier Jahre später zählte man dort mehr als 1.000 Nester. 2014 wurde sie erstmals in Deutschland gesichtet, zunächst in Baden-Württemberg, von wo aus sie sich weiter ausbreitet. In Europa hat sie, anders als in Asien, kaum Fressfeinde. Sie produziert überdurchschnittlich viele Jungköniginnen, sodass am Ende eines Jahres bis zu 500 in einem Nest entstehen – rund zehnmal mehr als bei europäischen Hornissen.

Land bittet um Mithilfe

Das Land Vorarlberg betonte am Dienstag die Bedeutung frühzeitiger Maßnahmen zum Schutz der heimischen Bienen und rief zur aktiven Mithilfe der Imkerinnen und Imker und der Bevölkerung auf. In den Sommer- und Herbstmonaten wird um erhöhte Aufmerksamkeit an Bienenständen gebeten: Bei regulären Besuchen der Völker sollte der Bienenflug etwa 20 Minuten lang beobachtet werden, um ein mögliches Auftreten der Asiatischen Hornisse zu erkennen.

Verdachtsfälle sollten möglichst mit Foto oder Video dokumentiert und an die unten genannten Stellen gemeldet werden. Wichtig ist vor allem, dass die Farben des Tieres auf dem Foto bzw. Film gut sichtbar sind. Auch die Allgemeinheit ist aufgerufen, Sichtungen zu melden und auf das Fangen oder Töten der Tiere zu verzichten, da Verwechslungen mit der geschützten Europäischen Hornisse möglich sind. Bitte melden Sie Sichtungen und Verdachtsfälle an das Zentrale Velutina-Meldeportal oder per E-Mail an den Imkerverband Vorarlberg: velutina@viv.at

Keine besondere Gefahr für gesunde Menschen

Für gesunde Menschen ist die Asiatische Hornisse ähnlich ungefährlich wie die heimische Hornisse (Vespa crabro). Beide Arten verhalten sich weit entfernt vom Nest friedlich und greifen Menschen normalerweise nur bei Bedrohung an. Der geräuschvolle Flug kann allerdings beunruhigend wirken. Sollte es zu einem Stich kommen, sind allergische Reaktionen – wie bei der heimischen Hornisse – möglich. Das Land warnt ausdrücklich davor, sich einem Nest zu nähern oder es eigenständig zu entfernen, da die Tiere ihr Nest aggressiv verteidigen und es zu multiplen Stichverletzungen kommen kann.

Bedeutung für Bienenvölker

Die Asiatische Hornisse ist nach EU-Verordnung als invasive gebietsfremde Art gelistet. Die EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, die Einbringung und Ausbreitung dieser Art zu verhindern und zu bekämpfen. Besonders für Bienenvölker kann die Asiatische Hornisse problematisch werden: Sie jagt bevorzugt soziale Hautflügler wie Bienen, Wespen und Fliegen sowie Spinnen und Heuschrecken, um ihre Brut zu versorgen. Vor den Bienenstöcken lauert sie heimkehrenden Bienen im Schwebflug auf. Bei einer großen Anzahl von Asiatischen Hornissen kann es zur Schwächung von Bienenvölkern und sogar zu Völkerverlusten kommen.

Frühzeitige Maßnahmen notwendig

Die Asiatische Hornisse legt im Jahresverlauf zwei Nesttypen an. Im Frühjahr baut die Königin ein kleines Primärnest in geschützter, niedriger Lage – etwa in Hecken, an Gebäuden, unter Dachvorsprüngen oder in Schuppen. In dieser Phase ist es vergleichsweise gut auffindbar und leichter zu entfernen. Bei den in Lustenau gefundenen Nestern handelt es sich um solche Primärnester.

Wächst das Volk, zieht es meist im Hochsommer in ein deutlich größeres Sekundärnest um, das oft frei hängend hoch in Baumkronen sitzt und 1.500 bis 2.000 Tiere beherbergen kann. Verborgen im Laub wird es häufig erst nach dem Laubfall im Herbst entdeckt, nachdem die jungen Geschlechtstiere (Drohnen und junge Königinnen) ausgeflogen sind und Folgenester im nächsten Frühjahr zu erwarten sind. In der Höhe ist es nur schwer zu beseitigen.

Für die gezielte Nestsuche stehen ausgebildete Fachexpertinnen und Fachexperten des Imkerverbandes zur Verfügung, die den Standort eines Nestes eingrenzen können. Nach einem bestätigten Fund stehen seitens des Landes Mittel zur Verfügung, um das Nest fachgerecht zu entfernen.

Quelle

Nester der Asiatischen Hornisse in Lustenau - vorarlberg.ORF.at