Giftiger Kugelfisch plagt Griechenland
Die Ausbreitung des giftigen Hasenkopf-Kugelfisches im Mittelmeer sorgt zu Beginn der Urlaubssaison in Griechenland für Aufregung. Zwar plagt die invasive Spezies primär die Fischereiwirtschaft, doch durch die wachsende Verunsicherung werden die Tiere auch für den Tourismus zum Problem. Mit einer Fangprämie will die Regierung die Ausbreitung zumindest bremsen – ein Pilotprojekt auf der Insel Euböa soll das Sicherheitsgefühl Badender stärken.

Der recht unscheinbare Hasenkopf-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus), der im Mittelmeer durchschnittlich 40 Zentimeter lang und etwa sieben Kilogramm schwer wird, stammt aus dem Indischen Ozean und dem Pazifik. Durch den Sueskanal wanderte er ins Mittelmeer ein, wo er erstmals 2003 nachgewiesen wurde. Der Hasenkopf enthält das Nervengift Tetrodotoxin (TTX), das die Reizweiterleitung in den Nerven blockiert und durch Erhitzen beim Kochen nicht zerstört wird.
Obwohl es nach Angaben des Griechischen Zentrums für Meeresforschung (HCMR) nur wenige gezielte Studien zur Auswirkung des Hasenkopfs auf die Biodiversität gibt, deuten wissenschaftliche Modelle darauf hin, dass er negative Folgen hat. Für den Fischfang ist der Hasenkopf ein Problem, denn er frisst die Netze leer und zerbeißt sie dabei. Zudem vermehrt er sich stark, wodurch heimische Arten verdrängt werden. Der Fisch gilt als anpassungsfähig und hat im Mittelmeer wenige natürliche Fressfeinde.
Rotes Kreuz veröffentlicht Warnung
In griechischen Medien mehrten sich heuer Berichte über Vorfälle mit Hasenköpfen: Erst am Wochenende machte der Fall einer 64-Jährigen Schlagzeilen, die durch einen Biss des Fisches mit seinen sehr spitzen Zähnen am Hals verletzt worden sein soll. Wissenschaftlich dokumentierte Bissverletzungen sind allerdings äußerst selten, eine landesweite Statistik oder offizielle Zahlen dazu gibt es nicht.
Das griechische Rote Kreuz veröffentlichte „angesichts der immer häufiger auftretenden Hasenfische“ schon im Juni eine Warnung: Obwohl das Tier beim Beißen kein Gift abgibt, könnten seine extrem kräftigen, schnabelartigen Kiefer schwere Verletzungen und starke Blutungen verursachen. Für Verunsicherung sorgt auch die Beobachtung von Meeresbiologinnen und -biologen, dass die Fische zunehmend Schwärme bilden und sich in deutlich seichteren Gebieten aufhalten als bisher.
Um der Verunsicherung unter Urlaubenden zu begegnen, wurden auf mehreren Stränden vor der Hauptstadt der griechischen Insel Euböa mittlerweile schwimmende Barrieren vor einigen Badebuchten errichtet. Die Netze sollen die seichten Gewässer vor den Kugelfischen und auch vor Quallen schützen. „Es ist ein Pilotprojekt“, hieß es seitens der Stadtverwaltung gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“. Bisher seien Netze in einer Länge von 2,5 Kilometern gespannt worden, weitere würden demnächst angeliefert.
Fangprämie soll Ausbreitung eindämmen
Um die Ausbreitung einzudämmen, wurde von der Regierung mittlerweile eine Prämie ausgesetzt: Künftig erhalten Fischer in bestimmten Regionen des Landes Geld für den Fang des Hasenkopf-Kugelfisches, wie der Nachrichtensender Skai berichtete. Pro Kilo der invasiven Fischart sollen dann 5,33 Euro gezahlt werden.
In türkischen Gewässern, wo der Fisch schon vor Jahren zum Problem wurde und wo es ebenfalls Prämien für seinen Fang gibt, sieht man die Aktion als Erfolg. So wurden laut türkischem Landwirtschafts- und Forstministerium im vergangenen Jahr rund 290.000 Hasenköpfe gefangen. Das habe Schätzungen zufolge 22 Millionen neue Individuen verhindert.
Der griechische Landwirtschaftsminister Margaritis Schinas gab sich zurückhaltend. „Unser Ziel ist es, Anreize zu schaffen, aber ehrlich gesagt werden wir keine spektakulären Veränderungen sehen“, sagte er gegenüber griechischen Medien. Ausrottung sei nicht möglich, es gehe vielmehr um die Begrenzung der Population vor allem während der Laichzeit, und um die Unterstützung der Berufsfischer, denen das Tier die Netze leerfrisst. Ansonsten, so bilanzierte Schinas, sei der Hasenkopf-Kugelfisch leider gekommen, um zu bleiben.
WWF warnt vor dauerhafter Störung des Ökosystems
Wie die Umweltschutzorganisation WWF Österreich am Dienstag in einer Aussendung erklärte, begünstigt die fortschreitende Erwärmung des Mittelmeeres die Ausbreitung invasiver Arten. Diese würden mit heimischen Tieren um Nahrung und Lebensraum konkurrieren und deren Bestände dezimieren. „Neben ökologischen Auswirkungen entstehen auch wirtschaftliche Schäden,“ so der WWF.
Neben allgemeinen Klimaschutzmaßnahmen seien natürliche Feinde die beste Medizin gegen die Ausbreitung der invasiven Arten. Der WWF Österreich forderte die Ausweitung von Meeresschutzgebieten, in denen sich heimische Arten erholen können.
Quelle
Invasive Spezies: Giftiger Kugelfisch plagt Griechenland - news.ORF.at