Invasive Tierarten machen Donau zu schaffen
In der Wiener Donau tummeln sich mittlerweile zahlreiche Tierarten, die hier nicht heimisch sind. Schwarzmundgrundel, Signalkrebs und Sonnenbarsch sind drei der häufigsten Arten. Sie verdrängen heimische Tiere oder übertragen tödliche Krankheiten.

Der Signalkrebs kommt aus Nordamerika und kann bis zu 20 Zentimeter groß werden. Mitte des 20. Jahrhunderts sollte er dafür sorgen, die Krebsfischerei in Europa wiederzubeleben – allerdings sorgt er jetzt dafür, dass die heimischen Flusskrebse krank werden.
Der Signalkrebs ist ein potenzieller Überträger einer Pilzkrankheit („Krebspest“), ist selbst aber resistent dagegen: „Die Krebspest ist ein Schlauchpilz und die heimischen Flusskrebse sind nicht resistent und die sterben zu fast 100 Prozent daran“, erklärt Thomas Friedrich vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU.
„Grundsätzlich gilt bei allen nicht heimischen Arten: Schauen, dass diese Arten nicht weiter verbreitet werden. Diese Art darf auch nicht verkauft oder lebend transportiert werden, um die Weiterverbreitung einzudämmen.“ Und es gilt: „if you can’t beat it, eat it“, sagt der Forscher. Also: Die Signalkrebse nutzen, „wo sie in großen Mengen vorkommen, sie sind ganz vorzüglich zu essen.“
Sonnenbarsch war ursprünglich ein Aquarienfisch
Der Sonnenbarsch überträgt zwar keine tödlichen Krankheiten, er frisst aber gerne den Nachwuchs heimischer Arten, was zur Verdrängung führt. Seinen Ursprung hat er ebenfalls in Nordamerika. Eigentlich ist der Sonnenbarsch ein Aquarienfisch, der unbedacht ausgesetzt wurde, erklärte der Biologe: „Das hat eine Vielzahl von Auswirkungen, die können wir gar nicht vorhersehen. Daher ist es das Wichtigste, zu verhindern, dass Tiere, die nicht hierher gehören, ausgelassen werden.“
Grundel kam mit Schiffen aus Schwarzem Meer
Auch die Grundel verdrängt andere Arten und gehört ursprünglich nicht ins Wiener Gewässer, erklärte Friedrich: „Die verschiedenen Grundelarten sind mit dem Ballastwasser der Schiffe aus dem Schwarzen Meer zu uns gekommen und sind in der Donau jetzt die häufigsten Fische. Wir haben es den Grundeln recht leicht gemacht, weil die in Höhlen ablaichen. Und mit den Block-Ufer-Strukturen zur Ufersicherung haben wir den perfekten Lebensraum geschaffen, wo sie nicht von Raubtieren gefressen werden können.“
Dafür fressen Grundeln die Larven etwa von Libellen oder anderen Fischnachwuchs. Um es ihnen schwerer zu machen, wäre eine Renaturierung der Ufer angebracht. Der Mensch hat die Tiere in die heimischen Gewässer gebracht, jetzt muss er auch für den Schutz der heimischen Arten sorgen, so Friedrich.