Invasive Arten schaden Globalem Süden stark
Eingeschleppte Tiere und Pflanzen bedrohen die Artenvielfalt weltweit. Eine neue globale Studie zeigt nun aber, dass die größten Schäden – anders als bisher angenommen – nicht im Globalen Norden, sondern im Globalen Süden entstehen. Besonders Schwellenländer sind betroffen.

Der Buchsbaumzünsler, die asiatische Hornisse, das Nadelkraut und sogar der Waschbär: Sie alle zählen zu den gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten in Österreich und wurden direkt oder indirekt durch den Menschen aus anderen Regionen der Welt eingeschleppt. Nun breiten sie sich außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraums aus – ein Prozess, der in der Wissenschaft biologische Invasion genannt wird. Hierzulande gibt es zum Beispiel bereits mehr als 1.600 nicht heimische Pflanzenarten.
Invasive Arten verschärfen Artensterben
Diese Entwicklung stellt eine massive Bedrohung für die Biodiversität dar: Laut Studie könnten invasive Tier- und Pflanzenarten für rund 60 Prozent des weltweit dokumentierten Artensterbens verantwortlich sein. Hinzu kommen wirtschaftliche Verluste in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar. Trotzdem sind die Auswirkungen von invasiven Arten noch nicht vollständig erforscht.
Bisher ging man etwa davon aus, dass vor allem wohlhabende Industriestaaten des Globalen Nordens betroffen sind – immerhin werden dort mehr als doppelt so viele invasive Arten gemeldet als anderswo. Eine in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie widerlegt diese Annahme nun aber: Denn eine hohe Zahl an Meldungen sage wenig darüber aus, wie schwerwiegend die Auswirkungen invasiver Arten wirklich sind.
Neue Kennzahl zeigt tatsächliches Schadensausmaß
Um besser zu verstehen, welchen Schaden invasive Tiere und Pflanzen tatsächlich anrichten, wurden in der neuen Studie zwei Datensätze miteinander kombiniert: Der eine zeigte, wo auf der Erde invasive Pflanzen und Tiere vorkommen. Der andere erfasste, ob und wie stark sie der Umwelt schaden. Mithilfe dieser Datenbank entwickelte dann ein Forschungsteam rund um den Ökologen Sven Bacher von der Universität Freiburg eine Kennzahl. Diese berücksichtigt nicht nur die Anzahl der gemeldeten Fälle, sondern auch deren Intensität.
Das Ergebnis der Studie: Zwar gehen aus dem globalen Süden deutlich weniger Meldungen ein, doch die erfassten Folgen waren im Durchschnitt um rund ein Drittel schwerwiegender als im Globalen Norden. Demnach richten invasive Tiere und Pflanzen im Globalen Süden deutlich mehr Schaden an.
Ein bekanntes Beispiel ist der Nilbarsch. Der Fisch stammt ursprünglich aus dem Nil, ab den 1950er-Jahren wurde er dann aber im Victoriasee in Ostafrika eingesetzt – mit dem Ziel die dortige Fischerei zu fördern. Das hatte jedoch den gegenteiligen Effekt: Der Nilbarsch fraß so viele der einheimischen Fischarten, dass diese stark zurückgingen oder ganz aus dem See verschwanden.
Prävention und koordiniertes Management
Im Kampf gegen invasive Tiere und Pflanzen sind laut Bacher effiziente Maßnahmen entscheidend. Er schreibt in der neuen Studie dazu: „Die Eindämmung biologischer Invasionen lässt sich am besten mit Prävention erreichen. Und falls dies nicht gelingt, durch ein anschließendes koordiniertes Management.“
Hier habe der globale Norden einen deutlichen Vorteil: Zwar würden auch die wohlhabenden Industriestaaten über den Handel mit anderen Ländern viele gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten einführen. Doch im Gegensatz zum globalen Süden sorgen leistungsfähigere Institutionen und eine geringere Korruption dafür, dass Maßnahmen gegen invasive Tiere und Pflanzen konsequenter umgesetzt würden – wichtige Ressourcen und Möglichkeiten, die im globalen Süden fehlen würden, so die Studie.
Wirtschaftswachstum erhöht Risiko
Besonders gefährdet sind laut Studie Schwellenländer. Sie weisen im Durchschnitt sowohl die schwerwiegendsten Folgen als auch eine hohe absolute Anzahl an Meldungen auf. Der Grund dafür: Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien zeichnen sich durch eine zunehmend hohe wirtschaftliche Aktivität aus. Diese erhöhe das Risiko, invasive Tier- und Pflanzenarten ins Land einzuschleppen.
Quelle
Artensterben: Invasive Arten schaden Globalem Süden stark - science.ORF.at