Reynoutria x bohemica - Böhmischer Knöterich
| Wissenschaftlicher Name | Reynoutria x bohemica Chrtek & Chrtková |
| Systematik | Plantae, Tracheophyta, Magnoliopsida, Caryophyllales, Polygonaceae |
| Weitere deutsche Namen | Bastard-Staudenknöterich, Bastard-Flügelknöterich |
| Englische Namen | Bohemian Knotweed |
| Herkunft | Reynoutria × bohemica ist eine Hybride aus R. japonica und R. sachalinensis, die in Europa entstanden ist. Die ursprünglichen Verbreitungsgebiete der beiden Elternarten sind geografisch und ökologisch voneinander getrennt. Der erste Nachweis geht auf einen Beleg im Herbar des Botanischen Gartens von Manchester aus dem Jahr 1872 zurück. |
| Einschleppungswege und Einfuhrvektoren | Die Hybride ist mehrfach in Gärtnereien und später auch in freier Natur durch Kreuzung von angepflanzten oder verwilderten Exemplaren der Elternarten entstanden. Die Ausbreitung erfolgt v. a. vegetativ durch Rhizom- und Stängelfragmente, die durch Oberflächengewässer verdriftet oder durch kontaminiertes Material (z. B. Bodenaushub) bzw. Maschinen (z. B. Mähgeräte) verschleppt werden. |
| Erkennungsmerkmale | Es handelt sich um eine schnellwüchsige, 2–4 m hohe Hochstaude mit dicken, tief im Boden verwurzelten Rhizomen. Sie zeigt intermediäre Merkmalsausprägungen zu den Elternarten. Die (schmal-)eiförmige, zugespitzte, ledrig bis mäßig weiche Laubblattspreite ist 15–30 cm lang, am Grund gestutzt oder schwach herzförmig und unterseits warzig-papillös und/oder kurz gekräuselt behaart. Die Achse des rispenartigen Blütenstands ist in der Mitte dicht gekräuselt behaart. Die Zweige des weiblichen Blütenstands sind aufrecht bis sparrig abstehend und etwas hängend. Das Perigon ist weiß gefärbt. |
| Status in Österreich | Etabliert |
| Erstfund in Österreich | 1997 |
| Verbreitung in Europa | Aufgrund ihrer späten Entdeckung und der Ähnlichkeit mit R. japonica und R. sachalinensis wurde R. × bohemica in vielen Ländern wahrscheinlich übersehen und ist tatsächlich viel häufiger als bisher dokumentiert. Reynoutria x bohemica gilt in Belgien, Bulgarien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, in Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, der Schweiz, in Serbien, der Slowakei, in Slowenien, der Tschechischen Republik, in Ungarn und der Ukraine als invasiv. Darüber hinaus kommt die Hybride in Dänemark, Russland, Spanien und Zypern vor. |
| Auswirkungen des Klimawandels | Anhand von gängigen Klimaszenarien wird sich R. × bohemica in höhere Lagen der mitteleuropäischen Gebirge ausbreiten und die nördliche Grenze des Verbreitungsgebiets wird sich in Westnorwegen, Schweden und Finnland deutlich nach Norden verschieben. Die östliche Grenze des Verbreitungsgebiets wird sich weiter nach Osten verlagern und zwischen den baltischen Staaten und dem Ural enden. Gleichzeitig werden durch geringere Niederschläge die Bedingungen für die Hybride in weiten Teilen des mittleren Nordeuropas sowie in Süd- und Südosteuropa weniger geeignet sein. |
| Biologie und Ökologie | Während die in Europa vorkommenden Klone von R. japonica üblicherweise sterile männliche Blüten haben, gibt es bei. R. x bohemica sowohl männlich-fertile als auch männlich-sterile Klone. Männlich-fertile Klone von R. × bohemica können daher männlich-sterile Klone sowohl von R. japonica als auch von R. × bohemica bestäuben. Die Blüten produzieren großen Mengen an Nektar und werden von Insekten besucht und bestäubt. Reynoutria x bohemica kann sich im Gegensatz zu R. japonica sowohl über Samen als auch vegetativ vermehren. Sowohl die Samen als auch die Sämlinge können durch fließendes Wasser ausgebreitet werden. Die vegetative Ausbreitung kann über Rhizom- und Stängelfragmente erfolgen, indem diese durch Oberflächengewässer verdriftet oder anthropogen verschleppt werden. Reynoutria x bohemica wächst in unbewirtschafteten oder extensiv bewirtschafteten Lebensräumen, die relativ nährstoffreich sind und viel Licht bieten. Die Hybride ist häufig in linearen Beständen entlang von Wasserläufen, Feld- oder Waldrändern, entlang von Straßen oder Bahnlinien, Hecken und gehölzbestandenen Böschungen zu finden. Flächige Bestände können sich auf Brachflächen oder in lichten Laubwäldern (v. a. Auwäldern) etablieren. |
| Gefährdung der Biodiversität | Die negativen Auswirkungen auf die Biodiversität sind ähnlich wie jene der Elternarten, wobei R. x bohemica noch konkurrenzfähiger als die beiden Elternarten sein dürfte. Durch die Raschwüchsigkeit und die effiziente vegetative Vermehrung werden dichte, teils monodominante Bestände gebildet. Der dichte Blattwuchs und die anfallende Laubstreu beeinträchtigen – u. a. auch durch allelopathische Effekte – das Wachstum anderer Gefäßpflanzenarten, was zu einem Rückgang der Artenvielfalt in den Beständen sowie zu einer Verdrängung der einheimischen Vegetation führen kann. Darüber hinaus wird die taxonomische Vielfalt der unterirdischen Makroinvertebraten durch das Vorhandensein von R. x bohemica deutlich reduziert. Wie auch die beiden Elternarten stellt R. x bohemica insbesondere für Auwälder eine Bedrohung dar. |
| Negative ökonomische Auswirkungen | Die negativen ökonomischen Auswirkungen sind vergleichbar mit jenen der beiden Elternarten. Neben den hohen Kosten, die aufgrund von Kontroll- und Beseitigungsmaßnahmen anfallen, können die Rhizome von Reynoutria-Arten in schmale Spalten vordringen und durch das Dickenwachstum Schäden an Bauwerken und Infrastruktur (gepflasterte Bereiche, Gleisanlagen, Straßen, Uferbefestigungen, Dämme, Deiche, etc.) anrichten. Dort, wo Reynoutria-Arten in der Nähe von Straßen oder Eisenbahnstrecken wachsen, sind Kontrollmaßnahmen erforderlich, um Schäden an der Infrastruktur zu unterbinden. Dichte Bestände entlang von Fließgewässern können das Abfließen des Wassers bei Hochwasserereignissen verlangsamen, wenn sie die Abflussquerschnitte von Flüssen stark verkleinern. Trotz ihrer dichten Rhizome können Reynoutria-Arten Uferbereiche weniger stark festigen als heimische Pflanzenarten. Dies bedingt eine erhöhte Erosionsgefahr, in weiterer Folge kann es zu Uferabbrüchen kommen. Bei großflächigen Knöterichvorkommen werden die Kosten für die Gewässerrandpflege deutlich ansteigen. |
| Negative humangesundheitliche Auswirkungen | Reynoutria-Arten enthalten relativ hohe Mengen an Oxalsäure. Oxalsäure ist zwar nicht giftig, kann sich aber an Mineralien wie Kalzium und Magnesium binden und deren Aufnahme in den Körper verhindern, was wiederum zu Mangelerscheinungen führen kann. Personen, die zu Rheuma, Arthritis, Gicht und Nierensteinen neigen, sollten beim Verzehr von Staudenknöterich Vorsicht walten lassen. In traditionellen Gerichten, die Knöterich enthalten, wird die Oxalsäure durch Abspülen mit Wasser oder durch Zugabe von Salz entfernt. |
| Positive sozio-ökonomische Auswirkungen | Ähnlich wie die beiden Elternarten, hat auch R. x bohemica eine gewisse kulinarische Bedeutung; die jungen Triebe können im Frühling als Ersatz für Spargel oder Rhabarber verzehrt werden. Darüber hinaus wird die Pflanze als Bienenweide verwendet. Reynoutria-Arten enthalten viele biologisch aktive Inhaltsstoffe, insbesondere Polyphenole. Ihre Rhizome und jungen Triebe werden in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Einige Klone von R. × bohemica scheinen als Biomassepflanzen geeignet zu sein, jedoch wird von dieser Nutzungsform aufgrund der schwierigen Bestandsauflösung abgeraten. |
| Managementmaßnahmen | Die Beseitigung bzw. Kontrolle von R. x bohemica gestaltet sich zeit- und kostenaufwändig. Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für die Bekämpfung, vielmehr muss die Anwendung bewährter Methoden fallbezogen geprüft werden. Die effektive Bekämpfung erfordert in der Regel eine Kombination verschiedener Maßnahmen und ein mehrjähriges, konsequentes Folgemanagement. Methoden der mechanischen Bekämpfung umfassen das manuelle Ausreißen (mehrmalig pro Jahr über einen Zeitraum von mindestens 3 Jahren; nur bei kleinen Beständen), das Ausbaggern des Wurzelsystems mit dem Boden (ca. 50 cm tief; danach Ausbringen von Konkurrenzvegetation) sowie die Mahd der Bestände (8–12-mal pro Saison über einen Zeitraum von 5 Jahren). Die Beweidung mit Rindern, Schafen oder Ziegen kann bei jungen Trieben eine Eindämmung der Bestände bewirken. Bei korrekter Durchführung kann das Abdecken der Bestände – wenngleich arbeitsintensiv – eine wirksame Kontrollmaßnahme sein. Dazu werden die Bestände vor der Vegetationsperiode mit einem schweren, hochwertigen Geotextil abgedeckt und dieses mit einer bis zu 50 cm tiefen Bodenschicht bedeckt. Der Einsatz von Herbiziden wird generell als problematisch eingestuft, da eine Verdriftung der Substanzen heimische Arten und Lebensräume beeinträchtigen kann. Gute Erfahrungen gibt es mit dem Einsatz von Glyphosat an zwei Terminen (Sommer und Herbst) oder einer jährlichen Anwendung im Herbst mittels Stamminjektion. Insbesondere. Gute Erfolge werden erzielt, wenn der gesamte Bestand im Juni, kurz vor der Blüte und bei höchster Biomasse, geschnitten wird und dann die neu aufkommenden Triebe im August/September mit dem Herbizid behandelt werden. |
| Letzte Aktualisierung | Umweltbundesamt, Jänner 2026 |
Verbreitung in Österreich
Das Taxon kommt in allen Bundesländern vor.
Bundesländer
E = etabliert
| V | T | S | K | St | O | N | W | B |
| E | E | E | E | E | E | E | E | E |
Biogeographische Regionen
| Alpine Region | Kontinentale Region |
| E | E |
EU-Risikobewertung
Beringen, R., Leuven, R. S. E. W., Odé, B., Verhofstad, M. & van Walkenburg, J. L. C. H. (2022): Risk assessment of four Asian knotweeds in Europe. FLORON report: 2018.049.e2. link
Ausgewählte Quellen
Glaser, M., Gilli, C., Griebl, N., Hohla, M., Pflugbeil, G., Stöhr, O., Pilsl, P., Ehrendorfer-Schratt, L., Niklfeld, H., Walter, J., Pagitz, K. & Essl, F. (2025) Checklist of Austrian neophytes (2nd edition). Preslia 97: 413-539.
