Reynoutria sachalinensis - Sachalin-Staudenknöterich
| Wissenschaftlicher Name | Reynoutria sachalinensis (F. Schmidt) Nakai |
| Systematik | Plantae, Tracheophyta, Magnoliopsida, Caryophyllales, Polygonaceae |
| Weitere deutsche Namen | Sachalin-Flügelknöterich, Sachalin-Knöterich |
| Englische Namen | Giant knotweed, Sakhalin knotweed |
| Herkunft | Russland (Insel Sachalin und südliche Kurilen), Japan (Hokkaido, nördliches Honshu) und Korea (nur auf der Insel Ulleungdo) |
| Einschleppungswege und Einfuhrvektoren | Reynoutria sachalinensis wurde aus Asien nach Europa eingeführt und als Zier- und Futterpflanze verwendet. Ihr Auftreten an neuen Standorten außerhalb von Gärten ist in der Regel auf die Ablagerung von Gartenabfällen oder mit Rhizomfragmenten verunreinigtem Boden zurückzuführen. Die Ausbreitung erfolgt durch mit Rhizom- oder Sprossteilen kontaminierten Kraftfahrzeugen, Bodenaushub bzw. Erdmaterial, durch Verdriftung mit dem Wasser sowie durch unsachgemäße Entsorgung. |
| Erkennungsmerkmale | Es handelt sich um eine robuste, rhizombildende, Hochstaude mit (2)3–4 m langen, aufrechten, hohlen Stängeln. Die weichen, länglich-eiförmigen Blätter sind 25–45 cm lang und 4–25 cm breit, zugespitzt und weisen einen deutlich herzförmigen Grund und leicht gewellte Blattränder auf. Die Blattunterseite ist gekräuselt behaart. Die Blattstiele sind 3–4 cm lang. Die Ochrea ist länglich, häutig, mit deutlich hervortretenden Nerven, nicht bewimpert und verwittert schnell. Die Blütenstände sind achselständige Rispen, wobei die Hauptachse des Blütenstands kürzer als die Blätter (< 15 cm) und gekräuselt behaart ist. Die Zweige des weiblichen Blütenstands sind überhängend. Die Tragblätter sind klein, eiförmig, zugespitzt und flaumig behaart. Die Blüten haben eine grünlich-weiße, trichterförmige Blütenhülle, die kürzer ist als der Blütenstiel. Die Blüten bestehen aus 5 Blütenhüllblättern, von denen die inneren 3 zur Blütezeit stark geflügelt sind, 8 Staubblättern, 3 Griffeln und einer schildförmigen Narbe. Die Frucht ist eine dreikantig, längliche, glänzend-dunkelbraune, zugespitzte Achäne. |
| Status in Österreich | Etabliert |
| Erstfund in Österreich | 1961 |
| Verbreitung in Europa | Reynoutria sachalinensis wurde 1853 während einer Expedition auf die Insel Sachalin gesammelt und seit 1855 im botanischen Garten in St. Petersburg kultiviert. Nach 1860 wurde die Art auch in botanischen Gärten in Großbritannien gepflanzt. Die Art gilt in Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kroatien, Lettland, Luxemburg, den Niederlanden, in Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, der Schweiz, in Serbien, Slowenien, der Tschechischen Republik und in der Ukraine als invasiv. Darüber hinaus kommt sie auch in Bulgarien, Griechenland, Italien, Litauen, Russland, der Slowakei, in Spanien, Ungarn und Zypern vor. |
| Auswirkungen des Klimawandels | Basierend auf Klimaszenarien, die höhere Wintertemperaturen in höheren Breitengraden und trockenere Sommer prognostizieren, wird sich R. sachalinensis in höhere Lagen der mitteleuropäischen Gebirge ausbreiten, die nördliche Verbreitungsgrenze wird sich in Westnorwegen, Schweden und Finnland deutlich nach Norden verschieben. Die östliche Verbreitungsgrenze wird sich weiter nach Osten verlagern und zwischen den baltischen Staaten und dem Ural liegen. Geringere Niederschlagsmengen werden die Bedingungen für die Art in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas sowie Süd- und Südosteuropas jedoch ungeeigneter machen. |
| Biologie und Ökologie | Der Sachalin-Staudenknöterich ist eine gynodiözische Art. In Europa kommen sowohl zwittrige Klone, als auch Klone mit ausschließlich funktionell weiblichen Blüten mit sterilen Staubblättern vor. Die Blüten produzieren große Mengen an Nektar und werden von einer großen Zahl an Insekten besucht bzw. bestäubt. Die Art hybridisiert mit R. japonica zur Hybride R. x bohemica. Über die Ausbreitung durch Samen ist wenig bekannt. In Europa dürfte die Ausbreitung hauptsächlich vegetativ erfolgen. Stängel- und Rhizomfragmente können wiederaustreiben, wobei die Regeneration aus Rhizomen weniger effizient ist im Vergleich zu R. japonica und R. x bohemica. Die schnellwüchsige, lichtliebende Art wächst in naturnahen oder extensiv bewirtschafteten Lebensräumen mit hohem Nährstoffgehalt. Man findet sie vorwiegend an Bach- und Flussufern, Feld- und Waldrändern, entlang von Straßen- und Bahndämmen und Hecken. Im Vergleich zu den beiden anderen Reynoutria-Arten scheint R. sachalinensis feuchtere Standorte zu bevorzugen. |
| Gefährdung der Biodiversität | Die Art kann dichte Bestände ausbilden und hat dadurch negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Abundanz heimischer Gefäßpflanzen. Dabei spielen auch allelopathische Eigenschaften, die die Keimung und das Wachstum anderer Pflanzenarten hemmen, eine wesentliche Rolle. Durch die hohe Produktion von langsam zersetzender Laubstreu wird vermutlich auch der Nährstoffkreislauf beeinträchtigt. Ähnlich wie R. japonica stellt auch R. sachalinensis eine Gefährdung von Fluss- und Auenlebensräumen dar. |
| Negative ökonomische Auswirkungen | Neben den hohen Kosten, die aufgrund von Kontroll- und Beseitigungsmaßnahmen anfallen, führt das Vorkommen der Arten zu weiteren negativen ökonomischen Auswirkungen. Reynoutria-Arten können die Grasnarbe verdrängen und dadurch werden Bauwerke wie Dämme und Deiche anfälliger für Erosion. Die Rhizome können in schmale Spalten vordringen und durch das Dickenwachstum Schäden an gepflasterten Bereichen, Gleisanlagen, Straßen und Uferbefestigungen verursachen. Dort, wo Reynoutria-Arten in der Nähe von Straßen oder Eisenbahnstrecken wachsen, sind Kontrollmaßnahmen erforderlich, um Schäden an der Infrastruktur zu unterbinden. Dichte Bestände entlang von Fließgewässern können das Abfließen des Wassers bei Hochwasserereignissen verlangsamen, wenn sie die Abflussquerschnitte von Flüssen stark verkleinern. Trotz ihrer dichten Rhizome können Reynoutria-Arten Uferbereiche weniger stark festigen als heimische Pflanzenarten. Dies bedingt eine erhöhte Erosionsgefahr, in weiterer Folge kann es zu Uferabbrüchen kommen. Bei großflächigen Knöterichvorkommen werden die Kosten für die Gewässerrandpflege deutlich ansteigen. |
| Negative humangesundheitliche Auswirkungen | Reynoutria-Arten enthalten relativ hohe Mengen an Oxalsäure. Oxalsäure ist zwar nicht giftig, kann sich aber an Mineralien wie Kalzium und Magnesium binden und deren Aufnahme in den Körper verhindern, was wiederum zu Mangelerscheinungen führen kann. Personen, die zu Rheuma, Arthritis, Gicht und Nierensteinen neigen, sollten beim Verzehr von Reynoutria-Arten vorsichtig sein. |
| Positive sozio-ökonomische Auswirkungen | Die Art wurde ursprünglich als Zier- und Futterpflanze sowie als Bienenweide verwendet. Es besteht eine gewisse kulinarische Bedeutung. In Japan wird die Art als Gemüse angepflanzt. Die jungen Triebe des Sachalin-Knöterichs sind essbar und schmecken ein wenig wie Rhabarber. Reynoutria-Arten enthalten viele biologisch aktive Inhaltsstoffe, insbesondere Polyphenole. Die Pflanze wird in der traditionellen chinesischen Medizin zu Heilzwecken verwendet. In Deutschland wird eine Züchtung vom Sachalin-Staudenknöterich (das sog. Ingniscum) angepflanzt, um die oberirdische Biomasse zur Energiegewinnung zu nutzen. Das gewonnene Biogas dient der Stromproduktion. Die Art ist - ebenso wie der Japanische Staudenknöterich - schwermetalltolerant und wird deshalb zur Sanierung von kontaminierten Böden angepflanzt. |
| Managementmaßnahmen | Die Beseitigung bzw. Kontrolle der Art gestaltet sich zeit- und kostenaufwändig. Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für die Bekämpfung, vielmehr muss die Anwendung bewährter Methoden fallbezogen geprüft werden. Die effektive Bekämpfung erfordert in der Regel eine Kombination verschiedener Maßnahmen und ein mehrjähriges, konsequentes Folgemanagement. Methoden der mechanischen Bekämpfung umfassen das manuelle Ausreißen (mehrmalig pro Jahr über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren; nur bei kleinen Beständen), das Ausbaggern des Wurzelsystems mit dem Boden (ca. 50 cm tief; danach Ausbringen von Konkurrenzvegetation) sowie die Mahd der Bestände (8–12mal pro Saison über einen Zeitraum von fünf Jahren). Die Beweidung mit Rindern, Schafen oder Ziegen kann insbesondere bei jungen Trieben eine Eindämmung der Bestände bewirken. Bei korrekter Durchführung kann das Abdecken der Bestände – wenngleich arbeitsintensiv – eine wirksame Kontrollmaßnahme sein. Dazu werden die Bestände vor der Vegetationsperiode mit einem schweren, hochwertigen Geotextil abgedeckt und dieses mit einer bis zu 50 cm tiefen Bodenschicht bedeckt. Der Einsatz von Herbiziden wird generell als problematisch eingestuft, da eine Verdriftung der Substanzen heimische Arten und Lebensräume beeinträchtigen kann. Gute Erfahrungen gibt es mit dem Einsatz von Glyphosat an zwei Terminen (Sommer und Herbst) oder einer jährlichen Anwendung im Herbst mittels Stamminjektion. Gute Erfolge werden erzielt, wenn der gesamte Bestand im Juni, kurz vor der Blüte und bei höchster Biomasse, geschnitten wird und dann die neu aufkommenden Triebe im August/September mit dem Herbizid behandelt werden. |
| Letzte Aktualisierung | Umweltbundesamt, Jänner 2026 |
Verbreitung in Österreich
Die Art ist in allen Bundesländern etabliert.
Bundesländer
E = etabliert
| V | T | S | K | St | O | N | W | B |
| E | E | E | E | E | E | E | E | E |
Biogeographische Regionen
| Alpine Region | Kontinentale Region |
| E | E |
EU-Risikobewertung
Beringen, R., Leuven, R. S. E. W., Odé, B., Verhofstad, M. & van Walkenburg, J. L. C. H. (2022): Risk assessment of four Asian knotweeds in Europe. FLORON report: 2018.049.e2. Link
Ausgewählte Quellen
Glaser, M., Gilli, C., Griebl, N., Hohla, M., Pflugbeil, G., Stöhr, O., Pilsl, P., Ehrendorfer-Schratt, L., Niklfeld, H., Walter, J., Pagitz, K. & Essl, F. (2025) Checklist of Austrian neophytes (2nd edition). Preslia 97: 413-539.
