Reynoutria japonica - Japan-Staudenknöterich

Wissenschaftlicher NameReynoutria japonica Houtt. 
SystematikPlantae, Tracheophyta, Magnoliopsida, Caryophyllales, Polygonaceae 
Weitere deutsche NamenJapan-Flügelknöterich, Japan-Knöterich, Japanischer Staudenknöterich
Englische NamenJapanese knotweed
HerkunftJapan (Hokkaido, Honshu, Shikoku, Kyushu), Korea, China and Taiwan 
Einschleppungswege und EinfuhrvektorenReynoutria japonica wurde in der Vergangenheit als Zierpflanze vermarktet und aus Asien nach Europa importiert. Darüber hinaus wurde die Art als Futterpflanze, Sichtschutz, Deckungs- und Äsungspflanze, als Bienenweide und zur Böschungsbefestigung gepflanzt. Die Ausbringung erfolgt häufig unabsichtlich durch die Entsorgung von Gartenabfällen oder von kontaminiertem Erdmaterial. Die Ausbreitung erfolgt an Gewässerufern dadurch, dass die brüchigen Rhizome bei Hochwasser freigelegt und mit dem Wasser verdriftet werden, sodass sich flussabwärts rasch neue Bestände entwickeln können. Die Ausbreitung kann auch mit kontaminiertem Erdmaterial oder Maschinen (wie z. B. Mähgeräten) erfolgen, die über größere Distanzen transportiert werden. 
ErkennungsmerkmaleDer Japanische Staudenknöterich ist eine schnellwüchsige Hochstaude mit dicken, unterirdisch kriechenden Rhizomen. Etablierte Pflanzen bilden ein verholzendes Wurzelwerk mit vertikalen Pfahlwurzeln, die bis zu 3 m tief in den Boden eindringen können. Die aufrechten, hohlen Stängel sind zwischen 1–2 m (bis zu 3 m) hoch, rötlich angelaufen bzw. gefleckt und im oberen Bereich meist verzweigt. Die ledrigen, wechselständig angeordneten Blätter sind breit einförmig, 5–15 cm lang und 5–8 cm breit, an der Spitze zugespitzt und an der Basis gestutzt und unterseits meist mit Papillen besetzt. Die Blattstiele sind 1–3 cm lang, unterhalb der Basis befinden sich extraflorale Nektarien. Die familientypische Ochrea (Blattscheide, die die Basis des folgenden Stängelglieds umschließt) ist dünnhäutig ausgebildet. Die endständigen oder achselständigen Blütenstände sind rispenartig verzweigt. Die weißen bis cremefarbenen Blüten messen 2,5–3 mm im Durchmesser und bestehen aus 5 Blütenhüllblättern, von denen die äußeren drei gekielt sind, 8 Staubblättern mit 0,3–0,4 (0,8) mm langen Staubfäden und 3 Griffeln. Die Frucht ist eine Achäne; die dunkelbraunen, glänzenden Samen sind scharf dreieckig. 
Status in ÖsterreichEtabliert 
Erstfund in Österreich1891
Verbreitung in EuropaReynoutria japonica wurde zwischen 1829 und 1841 von Philipp von Siebold aus Japan in die Niederlande eingeführt. Seine Gärtnerei in Leiden ist wahrscheinlich die Quelle der meisten Staudenknöterich-Vorkommen in Europa. Seit etwa 1950 erfolgt eine sprunghafte Ausbreitung in Europa und die Art kommt in sämtlichen europäischen Ländern mit Ausnahme von Malta vor. In Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Luxemburg, den Niederlanden, in Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, Schweden, der Schweiz, Slowakei, in Slowenien, Spanien, der Tschechischen Republik und in der Ukraine gilt sie als invasiv. 
Auswirkungen des KlimawandelsReynoutria japonica wird sich in den höheren Lagen der mitteleuropäischen Gebirge ausbreiten, und die nördliche Grenze des Verbreitungsgebiets wird sich im westlichen Norwegen, Schweden und Finnland deutlich nach Norden verschieben. Die östliche Grenze des Verbreitungsgebiets wird sich weiter in den Osten verlagern und zwischen den baltischen Staaten und dem Ural enden. Teile Islands werden wahrscheinlich zu geeigneten Gebieten, sollte die Art dort eingeführt werden. Gleichzeitig werden geringere Niederschlagsmengen die Bedingungen für die Art in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas sowie Süd- und Südosteuropas ungeeigneter machen.
Biologie und Ökologie

Reynoutria japonica ist gynodiözisch, d. h. es gibt Individuen mit entweder ausschließlich zwittrigen Blüten oder mit ausschließlich funktionell weiblichen Blüten mit sterilen Staubblättern. Die Blüten produzieren große Mengen an Nektar und werden von Insekten besucht. Die Art hybridisiert mit anderen Arten der Gattung, insbesondere mit R. sachalinensis zur Hybride R. x bohemica

Die Ausbreitung der Samen erfolgt durch Wind. In Europa gehört ein Großteil der Pflanzen aber vermutlich zu einem einzigen oktoploiden weiblichen Klon von R. japonica var. japonica. Daher erfolgt die Vermehrung und Ausbreitung hauptsächlich vegetativ über Rhizom- und Stängelfragmente. 

Die lichtliebende Art kann auf unterschiedlichen Böden gedeihen, von sauren und nährstoffarmen bis zu nährstoffreichen und kalkhaltigen. Sie wächst vorwiegend in linearen Beständen entlang von Bach- oder Flussufern, an Feld- und Waldrändern, Straßen- oder Bahndämmen, Hecken bzw. bewaldeten Böschungen. Flächige Bestände entwickeln sich vorwiegend auf Brachflächen oder in lichtdurchfluteten Laubwäldern (z. B. Auwäldern). Reynoutria japonica erträgt kurzfristige Überschwemmungen, zu große Nässe schädigt auf Dauer aber die Vitalität der Pflanze genauso wie große Trockenheit und zu starke Beschattung. 

Gefährdung der Biodiversität

Hat sich die Art an einem Standort etabliert, breitet sie sich vegetativ rasch aus und kann dichte Bestände ausbilden. Die anfallende Streu weist eine geringe Zersetzungsrate auf. Dadurch wird die vorhandene Vegetation verdrängt, die Artenzahl und Deckung heimischer Arten infolge Konkurrenz reduziert. Dabei spielen allelopathische Eigenschaften, die die Keimung und das Wachstum anderer Pflanzenarten hemmen, eine wesentliche Rolle. Die Verdrängung einheimischer Pflanzenarten kann zum Rückgang stärker spezialisierter Insekten führen. Vom Staudenknöterich-Arten befallene Lebensräume weisen im Vergleich zu nicht-befallenen Lebensräumen eine geringere Zahl und Biomasse an Wirbellosen auf. Die geringere Dichte an Invertebraten kann in weiterer Folge negative Auswirkungen auf höhere trophische Ebenen haben. 

Durch die Ausbildung von Dominanzbeständen an Gewässerufern und in Auwäldern resultiert eine Gefährdung v. a. der Lebensraumtypen nach 6430 Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe sowie 91E0* Auenwälder mit Alnus glutinosaund Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae) nach Anhang I der FFH-Richtlinie. 

Negative ökonomische Auswirkungen

Neben den hohen Kosten, die aufgrund von Kontroll- und Beseitigungsmaßnahmen anfallen, führt das Vorkommen der Arten zu weiteren negativen ökonomischen Auswirkungen. Reynoutria-Arten können die Grasnarbe verdrängen und dadurch werden Bauwerke wie Dämme und Deiche anfälliger für Erosion. Die Rhizome können in schmale Spalten vordringen und durch das Dickenwachstum Schäden an gepflasterten Bereichen, Gleisanlagen, Straßen und Uferbefestigungen verursachen. Dort, wo Reynoutria-Arten in der Nähe von Straßen oder Eisenbahnstrecken wachsen, sind Kontrollmaßnahmen erforderlich, um Schäden an der Infrastruktur zu unterbinden. 

Dichte Bestände entlang von Fließgewässern können das Abfließen des Wassers bei Hochwasserereignissen verlangsamen, wenn sie die Abflussquerschnitte von Flüssen stark verkleinern. Trotz ihrer dichten Rhizome können Reynoutria-Arten Uferbereiche weniger stark festigen als heimische Pflanzenarten. Dies bedingt eine erhöhte Erosionsgefahr, in weiterer Folge kann es zu Uferabbrüchen kommen. Bei großflächigen Knöterichvorkommen werden die Kosten für die Gewässerrandpflege deutlich ansteigen. 

Negative humangesundheitliche AuswirkungenReynoutria-Arten enthalten relativ hohe Mengen an Oxalsäure. Oxalsäure ist zwar nicht giftig, kann sich aber an Mineralien wie Kalzium und Magnesium binden und deren Aufnahme in den Körper verhindern, was wiederum zu Mangelerscheinungen führen kann. Personen, die zu Rheuma, Arthritis, Gicht und Nierensteinen neigen, sollten beim Verzehr von Teilen des Japan-Staudenknöterichs Vorsicht walten lassen.
Positive sozio-ökonomische Auswirkungen

Ursprünglich wurde die Art als Zierpflanze sowie für verschiedene weitere Nutzungsarten, z. B. als schnellwüchsiger Sichtschutz, als Vieh- und Wildfutterpflanze, Deckungs- und Äsungspflanze und als Bienenweide eingeführt.  

Die Pflanze ist schwermetalltolerant und zur Sanierung von Böden geeignet, die mit Schwermetallen und anderen Giftstoffen angereichert sind. 

Die Art hat eine gewisse kulinarische Bedeutung. Die jungen Triebe können im Frühjahr als Ersatz für Spargel oder Rhabarber verzehrt werden. In Japan und Kanada werden auch die stärkereichen Rhizome gegessen.

Die Art ist aus pharmazeutischer und kosmetischer Sicht bedeutsam. Sie zeichnet sich durch eine Vielzahl aktiver Inhaltsstoffe (v. a. Anthrachinone, Stilbene und Flavonoide) und ein breites pharmakologisches Wirkungsspektrum aus. Sie findet breite Anwendung in Gesundheitsprodukten, Kosmetika und in Tierfutter. 

Managementmaßnahmen

Die Beseitigung bzw. Kontrolle der Art gestaltet sich zeit- und kostenaufwändig. Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für die Bekämpfung, vielmehr muss die Anwendung bewährter Methoden fallbezogen geprüft werden. Die effektive Bekämpfung erfordert in der Regel eine Kombination verschiedener Maßnahmen und ein mehrjähriges, konsequentes Folgemanagement.

Methoden der mechanischen Bekämpfung umfassen das manuelle Ausreißen (mehrmalig pro Jahr über einen Zeitraum von mindestens 3 Jahren; nur bei kleinen Beständen), das Ausbaggern des Wurzelsystems mit dem Boden (ca. 50 cm tief; danach Ausbringen von Konkurrenzvegetation) sowie die Mahd der Bestände (8–12-mal pro Saison über einen Zeitraum von 5 Jahren). 

Die Beweidung mit Rindern, Schafen oder Ziegen kann insbesondere bei jungen Trieben eine Eindämmung der Bestände bewirken. 

Bei korrekter Durchführung kann das Abdecken der Bestände – wenngleich arbeitsintensiv – eine wirksame Kontrollmaßnahme sein. Dazu werden die Bestände vor der Vegetationsperiode mit einem schweren, hochwertigen Geotextil abgedeckt und dieses mit einer bis zu 50 cm tiefen Bodenschicht bedeckt. 

Der Einsatz von Herbiziden wird generell als problematisch eingestuft, da eine Verdriftung der Substanzen heimische Arten und Lebensräume beeinträchtigen kann. Gute Erfahrungen gibt es mit dem Einsatz von Glyphosat an zwei Terminen (Sommer und Herbst) oder einer jährlichen Anwendung im Herbst mittels Stamminjektion. Gute Erfolge werden erzielt, wenn der gesamte Bestand im Juni, kurz vor der Blüte und bei höchster Biomasse, geschnitten wird und dann die neu aufkommenden Triebe im August/September mit dem Herbizid behandelt werden. 

Letzte AktualisierungUmweltbundesamt, Jänner 2026
 

Verbreitung in Österreich

Die Art ist in allen Bundesländern etabliert. 

Bundesländer

E = etabliert

VTSKStONWB
EEEEEEEEE
 

Biogeographische Regionen

Alpine RegionKontinentale Region
EE
 
Österreichkarte zeigt die starke Verbreitung der Staudenknöteriche in Österreich.
Verbreitung der Staudenknöteriche in Österreich (Nachweise bis 2025)

EU-Risikobewertung

Beringen, R., Leuven, R. S. E. W., Odé, B., Verhofstad, M. & van Walkenburg, J. L. C. H. (2022): Risk assessment of four Asian knotweeds in Europe. FLORON report: 2018.049.e2.  Link  

Ausgewählte Quellen 

Glaser, M., Gilli, C., Griebl, N., Hohla, M., Pflugbeil, G., Stöhr, O., Pilsl, P., Ehrendorfer-Schratt, L., Niklfeld, H., Walter, J., Pagitz, K. & Essl, F. (2025) Checklist of Austrian neophytes (2nd edition). Preslia 97: 413-539.

Links 

Neobiota Steiermark

AGES