Crassula helmsii - Nadelkraut
| Wissenschaftlicher Name | Crassula helmsii (Kirk) Cockayne |
| Systematik | Plantae, Tracheophyta, Magnoliopsida, Saxifragales, Crassulaceae |
| Weitere deutsche Namen | - |
| Englische Namen | Stonecrop, Australian stonecrop, New Zealand stonecrop, Australian swamp stonecrop, Swamp stonecrop, Swamp crassula, Helms crassula |
| Herkunft | Australien (Victoria, New South Wales, Südaustralien, Tasmanien und Westaustralien) und Neuseeland (Küstenregionen der Südinsel). |
| Einschleppungswege und Einfuhrvektoren | Crassula helmsii wurde vorsätzlich als Zierpflanze über den Gartenbau- und Aquaristik-Sektor nach Europa importiert und in Gartencentern und Aquaristik-Fachgeschäften verkauft. Als weitere relevante Einführungspfade gelten botanische Gärten und kontaminierte Materialen (z. B. lebende Pflanzen, Erde, Maschinen und Ausrüstung bzw. Menschen und deren Gepäck. Es besteht das Risiko der weiteren Verschleppung durch Angler bzw. deren Ausrüstung und Boote zwischen befallenen und nicht-befallenen Gebieten. Auch das absichtliche Ausbringen (Ansalbung) ist ein relevanter Ausbringungspfad. |
| Erkennungsmerkmale | Das Nadelkraut ist eine mehrjährige, immergrüne, krautige und sukkulente Sumpf- und Wasserpflanze, die unterschiedliche Wuchsformen hat. Die terrestrische Form hat kriechende oder aufrechte Stängel, als emerse Wasserpflanze wächst sie in der Regel als Ansammlung kurzer, dicht gepackter Stängel in seichtem Wasser und bei der submersen Form wachsen aus einer basalen, gut verwurzelten Rosette lange, spärlich belaubte Stängel, die bis zur Wasseroberfläche reichen können. Die Stängel können bis zu 1 m Länge erreichen, an den unteren Knoten bilden sich Adventivwurzeln. Die gegenständigen Blätter sind an der Basis verwachsen, lineal-lanzettlich und 4–15 mm lang, 0,7–1,6 mm breit und 0,5–0,8 mm dick. Sie sind oberseits flach und unterseits konvex. Die einblütigen, achselständigen Blütenstände befinden sich an den Stängelenden und ragen stets über die Wasseroberfläche hinaus. Die Blütenstiele sind 2–8 mm lang und biegen sich bei Fruchtreife zurück. Die zwittrigen Blüten haben einen Durchmesser von 3–3,5 mm. Die vier weißen oder rosafarbenen Blütenblätter sind breit-elliptisch-eiförmig, 1,2–1,8 mm lang und 0,8–1 mm breit und leicht zugespitzt. Die vier Kelchblätter sind etwa halb so lang wie die Kronblätter und an der Basis verwachsen. |
| Status in Österreich | Unbeständig |
| Erstfund in Österreich | 2019 |
| Verbreitung in Europa | Neben Österreich liegen innerhalb Europas Nachweise für Großbritannien, Irland, Deutschland, Belgien, die Niederlande, Frankreich, Dänemark, Luxemburg und Spanien vor. In Schweden wurde die Art unmittelbar nach dem Erstnachweis beseitigt. |
| Auswirkungen des Klimawandels | Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Ausbreitung und Invasivität durch veränderte klimatische Bedingungen verstärken wird. Aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen kann die Art in bislang nicht besiedelbare Gebiete vordringen und hat dort einen Vorteil gegenüber heimischen Konkurrenten, da das Nadelkraut auch im Winter weiterwachsen kann. Aufgrund zunehmender Wasserstandsschwankungen in permanent wasserführenden Gewässern könnte sich die Art auch an zeitweilig trockenfallenden Uferböschungen ansiedeln und hat dort einen Konkurrenzvorteil, da sie längere Trockenperioden ertragen kann. |
| Biologie und Ökologie | Als immergrüne, mehrjährige Pflanze wächst das Nadelkraut auch im Winter weiter. Die Art ist frosthart bis -7 °C. Im sekundären Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Blütezeit hauptsächlich von Juni bis Ende Oktober. Bei untergetauchten Exemplaren bilden sich keine Blüten und wenn eine blühende Pflanze überschwemmt wird, fallen die Blüten ab. Die Blüten sind zwittrig und vierzählig. Die Pflanze kann sich durch Geitonogamie selbst bestäuben, wobei der Pollen einer Blüte auf eine andere Blüte derselben Pflanze übertragen wird. Außerhalb des natürlichen Areals vermehrt sich die Art hauptsächlich vegetativ aus meristematischem Zellgewebe. Die Samen sind nicht klebrig und besitzen keine Haftstrukturen. Nach dem Abfallen schwimmen sie kurzzeitig an der Oberfläche und werden so von Wasserströmungen und Wind bewegt, bevor sie schließlich sinken. Im natürlichen Verbreitungsgebiet wurde beobachtet, dass sich die Art durch Aufnahme und Ausscheidung im Kot von Damhirschen ausbreitet. Die Ausbreitung erfolgt auch durch Pflanzenteile, die an den Füßen von Tieren haften bleiben oder durch Materialien, die für das Management verwendet werden. Das Nadelkraut kommt in einer Vielzahl von Süßwasserhabitaten vor, darunter langsam fließende (Kanäle, Bäche, Entwässerungsgräben) und stehende Gewässer (Tümpel, Seen, Moorgewässer), wo sie sowohl im Wasser als auch am Ufer wächst. Die Art ist bezüglich des Bodentyps nicht sehr wählerisch und wächst im sekundären Areal vor allem auf Lehm- und Sandböden, aber ebenso auf Sand-, Kies- und organischen Böden. Lediglich auf Torfböden dürfte sie schlecht gedeihen. Crassula helmsii kann sowohl unter nährstoffarmen als auch unter nährstoffreichen Bedingungen dominant werden. Vor allem bei hohem Nährstoffangebot wächst sie rasch und kann andere Arten überwuchern. Insbesondere gestörte Gewässer mit unbewachsenen Böden sind anfällig für die Etablierung des Nadelkrauts. |
| Gefährdung der Biodiversität | Das Nadelkraut kann eine mehr oder weniger undurchdringliche Vegetationsschicht auf Boden- und Wasseroberflächen ausbilden. Insbesondere in Pionierlebensräumen kann dadurch die Sukzession der heimischen Vegetation beeinflusst werden. Infolge der Ausbildung dichter Matten kann die Hydrologie bzw. Hydromorphologie von Gewässern beeinflusst werden. Artengruppen, die vermutlich besonders von negativen Auswirkungen betroffen sind, sind: Callitriche spp., Elodea spp., Charophyceae und Bacillariophyta. Zudem wurden negative Auswirkungen auf Fische, Amphibien, Vögel und Wirbellose aufgrund von Veränderungen der Wasserströmung, der chemischen Eigenschaften des Wassers, des pH-Werts, Schwankungen des Sauerstoffgehalts sowie infolge Platzmangels und reduzierter Einstrahlung dokumentiert. Negative Auswirkungen auf europaweit geschützte Pflanzenarten sind potenziell zu erwarten, z. B. tritt das Nadelkraut in den Niederlanden an Standorten des Kriechenden Selleries (Helosciadium repens) und des Sumpf-Glanzkrauts (Liparis loeselii) auf. In England, Irland und den Niederlanden wurden potenziell negative Auswirkungen auf den Reproduktionserfolg von europaweit geschützten Amphibienarten (z. B. Nördlicher Kammmolch – Triturus cristatus, Kreuzkröte – Epidalea calamita) beobachtet. Bei dominantem Auftreten des Nadelkrauts reduziert sich die Anzahl geeigneter Eiablageplätze für die Kreuzkröte. Da das Nadelkraut keine großen Ansprüche an das Habitat stellt, sind viele Lebensraumtypen potenziell gefährdet. Die Art ist immergrün und winterhart, sodass Standorte, an denen die oberirdische Biomasse im Winter abstirbt, vom Nadelkraut überwuchert werden können. |
| Negative ökonomische Auswirkungen | Neben den anfallenden Kosten für Kontroll- und Beseitigungsmaßnahmen, bestehen potenzielle ökonomische Auswirkungen, da durch die Ausbildung dichter Matten die Ausübung von Freizeitaktivitäten wie Bootfahren, Angeln, Schwimmen oder Wasserskifahren behindert werden kann. Zudem können dadurch Bewässerungskanäle und Hochwasserkontrollsysteme eingeschränkt werden. Darüber hinaus reduzieren monodominante Bestände auch die ästhetische Qualität von Gebieten. |
| Negative humangesundheitliche Auswirkungen | Nach derzeitigem Kenntnisstand löst die Art weder beim Menschen noch bei domestizierten Tieren Krankheiten aus. Wie auch für Pistia stratiotes angenommen, könnten Massenbestände das Aufkommen von Stechmücken fördern, da deren Larven nicht von den Fischen erreicht bzw. getilgt werden können. |
| Positive sozio-ökonomische Auswirkungen | Es sind keine positiven sozio-ökonomischen Auswirkungen bekannt. |
| Managementmaßnahmen | Die bestgeeignete Bekämpfungsmethode variiert von Fall zu Fall und in der Regel ist eine Kombination aus Maßnahmen erforderlich, die über Jahre hinweg umgesetzt werden müssen. Da in Österreich nur zwei Fundorte bekannt und die dortigen Bestände klein (< 1 ha) sind, erscheint eine vollständige Beseitigung durch frühzeitige, gezielte manuelle und mechanische Bekämpfung (Ausgraben und Verfüllen mit Substrat) nach Prüfung der lokalen Gegebenheiten inklusive fachgerechter Entsorgung und Prävention der weiteren Ausbreitung durch sorgfältige Reinigung der eingesetzten Ausrüstung/Maschinen bzw. durch Erteilung von Zugangsbeschränkungen der befallenen Gebiete möglich. Nach Durchführung der Maßnahme empfiehlt sich eine systematische Überwachung zur Erfolgskontrolle. |
| Letzte Aktualisierung | Umweltbundesamt, Jänner 2026 |
Verbreitung in Österreich
Gegenwärtig sind zwei isolierte Vorkommen in Tirol und in Niederösterreich bekannt.
Bundesländer
U = Unbeständig
| V | T | S | K | St | O | N | W | B |
| - | U | - | - | - | - | U | - | - |
Biogeographische Regionen
| Alpine Region | Kontinentale Region |
| U | U |
EU-Risikobewertung
van der Loop, J. M. M., Beringen, R., van Valkenburg, J. L .C .H., van Kleef, H. H., Verhofstad, M. & Odé, B. (2024): Risk assessment of Australian swamp stonecrop (Crassula helmsii) in Europe FLORON report: 2019.064.e04 link
Weiterführende Literatur
Glaser, M., Gilli, C., Griebl, N., Hohla, M., Pflugbeil, G., Stöhr, O., Pilsl, P., Ehrendorfer-Schratt, L., Niklfeld, H., Walter, J., Pagitz, K. & Essl, F. (2025) Checklist of Austrian neophytes (2nd edition). Preslia 97: 413-539.
Sauberer, N., Gilli, C., Prinz, M. A., & Till, W. (2020) Der erste Nachweis von Crassula helmsii in Österreich und weitere Nachträge (IV) zur Flora von Traiskirchen (Niederösterreich). BCBEA 5(1): 25-48.
van der Loop, J. M. M., De Hoop, L., Van Kleef, H. H. & Leuven R. S. E. W. (2018) Effectiveness of eradication measures for the invasive Australian swamp stonecrop Crassula helmsii. Management of Biological Invasions 9(3): 343-355.
