Broussonetia papyrifera - Papiermaulbeerbaum

Wissenschaftlicher NameBroussonetia papyrifera (L.) L'Hér ex Vent.
SystematikPlantae, Tracheophyta, Magnoliopsida, Rosales, Moraceae 
Weitere deutsche NamenJapanischer Papierbaum
Englische Namenpaper mulberry, paper mulberry tree, tapa cloth tree 
HerkunftOstasien und Südostasien. Die genaue Herkunft ist unbekannt, da die kulturell bedeutsame Art bereits prähistorisch in umliegende Regionen eingeführt wurde. 
Einschleppungswege und EinfuhrvektorenDie Art wird seit hunderten Jahren sowohl als Zierpflanze als auch in botanischen Gärten in Europa kultiviert. 
Erkennungsmerkmale

Broussonetia papyrifera ist ein schnellwüchsiger, mittelgroßer bis großer sommergrüner Laubbaum, der Wuchshöhen von 10–20 m und einen Stammdurchmesser von über 75 cm erreichen kann. Das Holz ist weich und brüchig. Die Krone ist rund und ausladend. Die Borke ist blassgrau bis hellbraun und gelblich an der Basis, im Alter flach längsgerieft und gefurcht, aber manchmal auch quergestreift oder noppig. Die Rinde der Zweige ist anfänglich grün, dann rötlich-braun bis grau-braun und flaumig behaart. Die wechselständig angeordneten, ungeteilten und 2–8 cm lang gestielten Blätter sind variabel in der Gestalt (ungelappt, eiförmig, herzförmig bis tief gelappt) und dicht grau behaart. Stamm, Äste und Blattstiele enthalten einen milchigen Saft.

Der Papiermaulbeerbaum ist eine zweihäusige Art. Die Blütenstände der männlichen Bäume sind 3,5–7,5 cm lange kätzchenartige Ähren, die männliche Blüte ist gelblich-weiß mit einer glockenförmigen, behaarten, vierzähligen Blütenhülle. Die weiblichen Bäume bilden gestielte kugelförmige Blütenstände (Köpfchen) mit einem Durchmesser von ca. 1,3 cm. Die Blüten sind von beständigen, behaarten, keulenförmigen Hochblättern umgeben. Aus den weiblichen Blütenständen entwickeln sich orange-rote, kugelförmige Sammelfrüchte mit 2–3 cm Durchmesser, die aus dünnfleischigen Steinfrüchten bestehen, die an fleischigen Stielen hängen.

Status in ÖsterreichUnbeständig 
Erstfund in Österreich1966
Verbreitung in EuropaDie Art ist in Europa weit verbreitet. Innerhalb der Europäischen Union gilt sie als etabliert in Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Malta, Rumänien und Spanien. Darüber hinaus liegen Nachweise für Belgien, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Polen, Portugal, Österreich, Schweden, Slowakei, Slowenien und Ungarn vor. 
Auswirkungen des Klimawandels

Broussonetia papyrifera ist anpassungsfähig und kann unter tropischen, subtropischen und warm-temperaten Bedingungen vorkommen. Mit Bezugnahme auf die Klimawandel-Szenarien RCP 2.6 und RCP 4.5 ist v. a. in Nord- und Osteuropa zukünftig eine Zunahme der klimatischen Eignung durch eine Zunahme der durchschnittlichen Wintertemperaturen zu erwarten. 

Eine allfällige Populationszunahme infolge gesteigerter Habitateignung könnte negative Auswirkungen auf die Biodiversität infolge direkter Konkurrenz nach sich ziehen. 

Biologie und Ökologie

Der Papiermaulbeerbaum ist eine Pionierart der feuchtwarmen Klimazonen (Monsunklima). Er weist jedoch eine sehr breite ökologische Amplitude auf. Die Art besiedelt vorwiegend gestörte Lebensräume und benötigt viel Sonne und Niederschlag und gedeiht in Gebieten mit einem Jahresniederschlag von 700-2.500 mm, kann aber auch Trockenzeiten von 3-4 Monaten überstehen. Broussonetia papyrifera konkurriert mit anderen Arten effizient um den Zugang zu Ressourcen. In unseren Breiten ist die Art weniger wüchsig und erreicht selten die in ihrem Ursprungsgebiet beobachtete Höhe (ca. 15 bis 20 m). Sie bevorzugt feuchte, gut durchlässige Böden. Die Art hat ein hohes Ausbreitungspotenzial und die Ausbreitung erfolgt sowohl avichor über Samen als auch über Wurzelschösslinge. Dadurch kann die Art nach einer Schlägerung trotz Entfernen des Wurzelstocks aus im Boden verbleibenden Wurzelfragmenten neu austreiben. 

Gefährdung der BiodiversitätBroussonetia papyrifera wird in mehreren europäischen Ländern als invasive Art eingestuft. Durch die Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung kann der Papiermaulbeerbaum dichte, teilweise monotypische Bestände ausbilden. Es wird angenommen, dass er allelopathische Eigenschaften besitzt, was Auswirkungen auf die lokale Biodiversität und Sukzession haben kann. Die Art kann in natürliche und naturnahe Lebensräume wie wärmeliebende Wälder und trockenes Grasland eindringen. Es ist wahrscheinlich, dass sich der Baum von ruderalen Lebensräumen ausgehend, insbesondere entlang von Verkehrskorridoren, ausbreitet und negative Auswirkungen in naturnahen Lebensräumen haben kann. In Pakistan wurde dokumentiert, dass befallene Gebiete eine reduzierte Artenvielfalt hinsichtlich krautiger Pflanzen und Gehölzarten aufweisen. Die Art benötigt viel Wasser und kann so das Wachstum bzw. die Verjüngung anderer Pflanzen unterdrücken.
Negative ökonomische Auswirkungen

Für Europa liegen keine Informationen vor. Die mechanische Entfernung des Papiermaulbeerbaums kostet in Islamabad mehrere Millionen Rupien pro Jahr, was Zehntausenden Euro entspricht. 

Broussonetiapapyrifera kann nicht nur den Bodenwert mindern und damit wirtschaftliche Einbußen für die Landwirtschaft bedeuten, sondern kann auch Allergien und damit verbundene Gesundheitsprobleme auslösen, wobei keine Informationen über Art und Umfang der wirtschaftlichen Auswirkungen vorliegen. 

Negative humangesundheitliche AuswirkungenBroussonetia papyrifera produziert große Mengen Pollen, der Allergien auslösen und sowohl respiratorische Probleme wie Heuschnupfen und Asthma als auch Nesselsucht verursachen kann. 
Positive sozio-ökonomische Auswirkungen

Aufgrund der enthaltenen Flavonoide hat B. papyrifera antitumorale, antioxidative, entzündungshemmende, antidiabetische, antibakterielle und antivirale pharmakologische Wirkungen. Derzeit wird die Gewinnung einzelner Verbindungen aber durch das Fehlen effizienter Extraktionsmethoden eingeschränkt. 

Als Nahrungsergänzung verwendet kann das Blattextrakt in einer bestimmten Dosierung die Wachstumsleistung und antioxidative Kapazität von abgesetzten Ferkeln steigern, das Auftreten von Durchfall verringern, die Immunfunktionen und die Krankheitsresistenz verbessern und die Zusammensetzung der fäkalen Mikroflora beeinflussen.

Die aus der Rinde gewonnenen Fasern können zur Herstellung von Papier, Stoffen und Seilen verwendet werden.  

ManagementmaßnahmenNach der Etablierung an einem Standort ist es schwierig, die Art zu beseitigen, da sie zahlreiche Wurzelausläufer bildet. Es ist daher unerlässlich, für eine erfolgreiche Bekämpfung, möglichst frühzeitig einzugreifen. Mechanische Maßnahmen umfassen je nach Alter bzw. Größe der Exemplare das Ausreißen, Ausgraben bzw. Fällen. Im Anschluss ist es empfehlenswert, die aufkommenden Jungpflanzen 5-6 mal pro Jahr bodennah zu mähen. Bäume mit mehr als 10 cm Stammdurchmesser können geringelt werden. Aufgrund des kräftigen Wiederaustriebs aus geschnittenen Stümpfen und der vegetativen Regeneration aus Wurzeln sind die Beseitigungsmaßnahmen arbeits- und kostenintensiv. Unterstützend kann die Ausgrabung von mit Wurzel- und Samenmaterial kontaminiertem Boden angewandt werden. 
Letzte AktualisierungUmweltbundesamt, Jänner 2026
 

Verbreitung in Österreich

Die Art kommt unbeständig in den Bundesländern Burgenland, Niederösterreich, Steiermark und Wien vor.

Bundesländer

U = Unbeständig 

VTSKStONWB
----U-UUU
 

Biogeographische Regionen

Alpine RegionKontinentale Region
-U
 
Österreichkarte zeigt die Verbreitung der Papiermaulbeere im östlichen Bereich von Österreich.
Verbreitung des Papiermaulbeerbaumes in Österreich (Nachweise bis 2025).

EU-Risikobewertung

Kudrnovsky, H., Shaw, R. & Beckmann, B. (2022): Risk assessment Broussonetia papyrifera. Study on Invasive Alien Species – Development of risk assessments to tackle priority species and enhance prevention. European Commission. link

 

Ausgewählte Quellen 

Glaser, M., Gilli, C., Griebl, N., Hohla, M., Pflugbeil, G., Stöhr, O., Pilsl, P., Ehrendorfer-Schratt, L., Niklfeld, H., Walter, J., Pagitz, K. & Essl, F. (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition). Preslia 97: 413-539.

Links 

European Plant Protection Organisation

InfoFlora (Schweiz)